Trüffel

Verhandeln wie die ganz Großen

James Sebenius, Nicholas Burns und Robert Mnookin haben ein Buch über Henry Kissinger geschrieben, der das Vorwort beigesteuert hat. Es heißt "Kissinger the Negotiator - Lessons from Dealmaking at the Highest Level" und kostet um die zwanzig Euro.

Die Autoren haben analysiert, wie Kissinger in der internationalen Politik auf dem diplomatischen Parkett agiert hat und ob sich dies auf die Verhandlungen im geschäftlichen Umfeld übertragen lässt.

Als wesentliches Element haben die Verfasser herausgearbeitet, dass Kissinger bei entscheidenden Verhandlungen zum einen aus einer Gesamtstrategie auf die Angelegenheit blickte ("Zooming Out") und - in einem iterativen Prozess - auf die individuelle Perspektive seines Verhandlungspartners wechselte ("Zooming In").

Die Erkenntnis, dass die Zusammenführung von strategischer und zwischenmenschlicher Perspektive ein Schlüssel ist, um in Verhandlungen die eigenen Ziele zu erreichen, ist sicher keine bahnbrechende Erkenntnis. Trotzdem ist es unterhaltsam, dies anhand von Anekdoten präsentiert und aufbereitet zu bekommen.


Kein vermeidbarer Verbotsirrtum beim Vorgehen gegen Hinweisgeber

Dass der Wind sich beim Thema Compliance dreht und den Verantwortlichen in den Unternehmen zunehmend kälter in die Gesichter bläst, ist mittlerweile - hoffentlich - auch im Mittelstand angekommen:

Der Chef muss wirksam dafür sorgen muss, dass die gesetzlichen Regelungen eingehalten werden. Er kann sich nicht damit rechtfertigen, dass er sich "um so etwas" nicht kümmere und dafür "seine Leute" habe. Der Fall Stadler zeigt das gerade recht anschaulich.

Wie sehr der Wind sich dreht, zeigt der Fall von Jes Staley, dem Chef der britischen Barclays Bank. Den hatte die englische Finanzaufsicht im Mai 2018 zu einer Geldstrafe von umgerechnet 730.000 € verurteilt, weil er "nicht so agiert habe, wie es einem Vorstandschef im Umgang mit anonymen Tippgebern gebühre" (siehe Bericht auf spiegel.de). Sein Arbeitgeber hatte ihm vorher schon deswegen den Bonus gekürzt.

Sein Vergehen: Staley wollte wissen, wer Briefe an den Verwaltungsrat und einen Manager der Bank geschickt und in diesen Briefen Vorwürfe gegen eine neu eingestellte Führungskraft erhoben hatte. Um den Autor der von ihm als unfaire persönliche Attacke empfundenen Briefe aufzuspüren, hatte Staley die Konzernsicherheit der Bank eingeschaltet.

Lehrreich daran ist, dass es ziemlich unstreitig zu sein scheint, dass Staley glaubte, dass es erlaubt sei, den Urheber des Briefes zu identifizieren. Diese Fehleinschätzung konnte ihn, obwohl er öffentlich zu Kreuze gekrochen ist, trotzdem nicht vor der Strafe schützen. Die Entsprechung dieses Gedankens findet sich im deutschen Strafrecht in § 17 StGB; danach entfällt bei einem Verbotsirrtum die Schuld des Täters nur dann, wenn der Irrtum unvermeidbar war, was nur in Ausnahmefällen der Fall ist.

Panik ist hier sicher unnötig und auch fehl am Platz, aber es schadet nichts, den "neuen Geist" in das Unternehmen und die Köpfe zu lassen und sich aktiv mit dem Thema Risikosteuerung auseinanderzusetzen. Eine guter Ausgangspunkt dafür ist unsere fünfteilige Miniserie:

https://www.schnee-gronauer.de/compliance-in-der-praxis-1-5/


KO - Symbolbild

(K)ein Sonntagsmärchen aus der Obergrafschaft

Es war einmal eine Frau, die hatte einen Mann, der war so klug, dass er alles viel besser wusste als sie. Darüber war die Frau immer sehr froh.

Und so trug es sich eines idyllischen sonntags zu, dass der Mann auf eine Leiter stieg, die er trotz der Warnung seiner ängstlichen Frau nur nachlässig sicherte, um einen Baum zu beschneiden.

Sodann begab es sich, dass die nur gut eine Stunde  später in einem Hospital angefertigten Aufnahmen Brüche des rechten Beines zeigten. Eiligst wurde der kluge Mann in den Operationssaal geschoben. Die brave Frau und die artigen Kinder harrten bange im Krankenhaus aus. Nach wenigen Stunden, sechs Schrauben und einem Plattenimplantat später war alles wieder flugs gerichtet.

Sorgenvoll beugte sich die Frau über den erschöpften Gatten, der alsdann mit leiser aber dennoch fester Stimme sagte: "Ich brauche jetzt unbedingt das Ladekabel für mein Handy, das Notebook plus Kabel, das Kensington-Lock,  meine Kladde mit meinen Notiz, etwas zu schreiben ....."

Und da wusste die Frau auf einmal ganz sicher: Der Kopf jedenfalls ist 100%ig in Ordnung!

Auf unserem Blog, liebe Leser, gibt es deshalb heute leider nichts Kluges.

Bedienungsanleitung zum sicheren Einsatz von Leitern sind aber sehr willkommen. Gartengehilfen mit Erfahrung im Baumschnitt mögen sich bitte kurzfristig bewerben.

Ihnen einen guten Start in die Woche!

Die bange Frau.

 

 


Schild:

Plötzlich reich, was ist jetzt zu tun?

Jeder kennt es: Plötzlich reich, was ist jetzt zu tun?

"Nach einem erfolgreichen Unternehmensverkauf oder einer beträchtlichen Erbschaft stellt sich für Handwerker die Frage, wie sie mit dem neu erworbenen Privatbesitz umgehen."

Gottseidank hat sich das Handwerk-Magazin mit Hilfe einer "Privatbank, die in solchen Fällen zu Rate gezogen wird" ganz tief in dieses drängende Problem im Handwerk eingearbeitet:

"Um sein Leben als vermögender Privatier bestmöglich planen zu können und den Besitz langfristig abzusichern, sollte man nicht einfach ins Blaue hinein leben."

Na, wer hätte das gedacht?Read more


Warnhinweis an die Jura studierende Jugend ;-)

Als Reaktion auf meinen Beitrag "Vertragsstrafe ohne Vertrag?" schrieb ein Leser:

"Sie sollten das umgehend löschen, das ist ja jugendgefährdend (wenn die Jura studierende Jugend sowas im ersten Semester schreibt, fällt sie durch !).

Sie können doch nicht im Ernst annehmen und schreiben, dass ein (konkludenter!) Vertragsschluss erst und nur mit dem Lösen eines Tickets zustande kommt.Read more


Vertragsstrafe ohne Vertrag?

Am einem lauen Sonntagnachmittag habe ich auf einem einsamen Bahnhofsparkplatz geparkt, um jemanden vom Gleis abzuholen. Die Bahn hatte Verspätung und aus den erwarteten 10 Minuten wurden 25.

Nun kam ein Schreiben, in dem der Parktplatzbetreiber mich unter Androhung vieler böser Dinge auffordert, 38,50 € zu zahlen. Das finde ich happig.

Ich habe dem Parkplatzbetreiber deshalb die folgende nette eMail geschrieben und bin wirklich gespannt, wie er reagieren wird.Read more


Anwälte: Dressierte Affen vor Subsumtionsautomaten?

An mehreren Stellen habe ich jetzt schon etwas über das neu gestartete Angebot von SmartLaw gelesen.

Das ist - grob gesagt - eine Internetseite, auf der man aus seinen Angaben und Antworten auf vorgegebene Fragen Verträge machen kann (im Moment sind allerdings erst drei Vertragstypen im Angebot).

Die Idee ist, gelinde gesagt, nicht neu. Vorreiter der "automatisierten Vertragserstellung" in Deutschland ist janoLaw, die es immerhin schon seit 2000 gibt.Read more


Ab 2014 19% Liquidität futsch

Für die meisten Freiberufler ist klar, dass sie auf ihr Honorar erst dann Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen, wenn das Geld auf dem Konto ist.

Gesetzestechnisch handelt es sich bei dieser "Versteuerung nach vereinnahmten Entgelten" allerdings um eine genehmigungspflichtige Ausnahme ("... kann auf Antrag gestatten ..."). Die Anwendungsfälle benennt § 20 UStG im Einzelnen.Read more


Pessimistisch?

Der Ngram Viewer von Google Books wertet aus, wie häufig bestimmte Worte in den dort hinterlegten Büchern aus dem jeweiligen Jahr vorkommen.Read more


Leipzig

Hätte ich das früher gewusst

Als ich Kind war, war die Zeit zwischen den Jahren immer "Monopoly-Zeit".

Tagelang war der Tisch blockiert und wurde nur hin und wieder zu den Mahlzeiten unter Protest freigeräumt. Und während zumindest meine Großeltern meist keine Schwiergkeiten damit hatten, mich beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht gelegentlich gewinnen zu lassen, war das bei Monopoly anders.Read more